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Interview mit Heinz Scheidel, Vorsitzender der Geschäftsführung der DIRINGER & SCHEIDEL Unternehmensgruppe

Vor 100 Jahren, am 21.06.1921, wurde die DIRINGER & SCHEIDEL Bauunternehmung durch Franz Anton Diringer gegründet, dem Großvater der Senior-Familiengesellschafter Heinz Scheidel und Elisabeth Heffner.

Im Laufe der Jahrzehnte hat sich DIRINGER & SCHEIDEL von einem einst kleinen Baugeschäft zu einer bis heute familiengeführten Unternehmensgruppe mit einem vielfältigen Leistungsspektrum und 3.800 Mitarbeitern entwickelt.

Interview mit Heinz Scheidel

Wie wird DIRINGER & SCHEIDEL seinen 100. Geburtstag feiern?
Heinz Scheidel: „Unsere Mitarbeiter stehen im Mittelpunkt der Feierlichkeiten, sie machen unser Unternehmen aus, sie haben dafür gesorgt, dass es uns gelungen ist, erfolgreich und gesund 100 Jahre alt zu werden – im Baubereich ist das nicht vielen Firmen geglückt. Wir können mit Stolz auf das zurückblicken, was wir alle in vier Generationen geleistet haben – auch gemeinsam mit unseren Kunden, die wir zum Teil schon seit über 60 Jahren begleiten. Das wollen wir hier in Mannheim-Neckarau bei einem großen Zusammentreffen honorieren. Die meisten Mitarbeiter werden aus ganz Deutschland nach Mannheim kommen, wir haben etwa Niederlassungen in Löbnitz bei Leipzig, im Ruhrgebiet, in Norddeutschland, im Rhein-Main-Gebiet und in Bayern. Wir werden aber sicherlich auch viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus unseren avendi-Pflegeeinrichtungen wie aus Dessau-Roßlau und Weißenfels bei Leipzig oder Rastede in Niedersachsen bei uns in Mannheim begrüßen, aber hoffentlich auch viele Beschäftigte aus unseren Auslandsstandorten in Frankreich, Italien, Luxemburg und Rumänien. Unsere gesamte Familie freut sich darauf schon heute sehr, ist es doch auch für uns alle – von mir als Senior bis zu den Enkeln – eine tolle Möglichkeit, von Tisch zu Tisch zu gehen und mit vielen Mitarbeitern Gespräche zu führen und sie kennenzulernen, wie das sonst nicht möglich ist.“

Wegen der Pandemie feiern Sie aber nicht mehr in diesem Jahr.
„Kinder sind unsere Zukunft, deshalb lassen wir zunächst Kinder, die Unterstützung gebrauchen können, quasi stellvertretend für uns feiern. Unsere Familien haben sich entschlossen, einen Spendentopf in Höhe von 100.000 Euro einzurichten, das heißt für jedes Jahr unseres Bestehens 1.000 Euro hinein zu geben. Die Spenden sollen ausschließlich solchen Einrichtungen und Initiativen zu Gute kommen, die sich für das geistige und leibliche Wohl von Kindern und Jugendlichen sowie eine kindgerechte, gesunde Umwelt einsetzen, ein Kuratorium aus Familienmitgliedern wird darüber entscheiden. Wir denken hier etwa an Schulspeisung oder die Unterstützung von Kindergärten, wie wir gerade eine Anfrage erhalten haben. Wir als Erwachsene feiern dann im kommenden Frühjahr hier direkt an unserem Bauhof. Freitags starten wir mit einem großen Festakt, zu dem wir Freunde und Partner aus Politik und Gesellschaft sowie treue Kunden einladen, die uns auf dem langen Weg unseres Unternehmens bisher begleitet haben. Der Samstag gehört dann unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.“

Ein rundes Jubiläum ist ja auch immer eine schöne Möglichkeit, sich darzustellen.
„Wir wollen uns potenziellen Mitarbeitern als Unternehmensgruppe präsentieren, die von einer Familie geführt wird und deren Belegschaft sich auch als große Familie versteht – also quasi ein Familienunternehmen im doppelten Sinne. Wir wünschen uns, dass unsere zufriedenen Mitarbeiter die beste Werbung für neue Mitarbeiter sind, die wir an praktisch allen Standorten und in allen Bereichen suchen, vor allem Fachkräfte. Wir zeigen uns als Unternehmen, wo Mittelstand im Jahr 2021 nicht durch die Größe der Firma, sondern durch die Haltung unserer Mitarbeiter und durch die Werte, die die Unternehmerfamilie vermittelt und durch den vertrauensvollen, zuverlässigen Umgang mit Partnern und Kunden, geprägt wird.
1956 haben wir uns erstmals durch Zukauf vergrößert und Teile eines insolventen Unternehmens übernommen – zwei Kräne und acht Mitarbeiter. Seitdem sind wir in der Form 35 Mal gewachsen, immer auch mit der Übernahme von Mitarbeitern, häufig aus einer Insolvenz heraus. Das ist für die neuen Kolleginnen und Kollegen oft nicht einfach; umso größer ist mein Respekt für sie und geht mein Dank an diejenigen Mitarbeiter, die so einen tollen Job bei der Integration der ,Neulinge‘ gemacht haben und auch gerade machen.
Vor diesem Hintergrund hat unser 100. Geburtstag eine sehr besondere Bedeutung: Es ist das erste große Jubiläum, das alle Firmen – auch die neuen – gemeinsam miteinander feiern.
Auf unsere Mitarbeiter lasse ich nichts kommen! Sie sind nicht nur das Rückgrat unseres Unternehmens, wie es heute dasteht, sondern auch der wesentliche Faktor für die erfolgreiche Entwicklung in den vergangenen 100 Jahren. Dies gilt für jede und jeden, der durch täglichen Einsatz zu unserem gemeinsamen Erfolg beiträgt. Einen besonderen Dank möchte ich aber auch gerade an diejenigen Führungskräfte richten, die nicht zur Eigentümerfamilie gehören. Sie leisten nicht nur Tag für Tag beste Arbeit für die aktuellen Projekte, sondern unterstützen uns zudem in großartiger Weise bei der Umsetzung unserer langfristigen Ziele.
Mit dem Blick auf die Sicherung von Arbeitsplätzen sind wir vor allem im letzten Jahrzehnt stark gewachsen, haben seit 2009 unsere Mitarbeiterzahl verdoppelt. In der Ausbildung sind wir heute ebenfalls mehr denn je engagiert. 269 Lehrlinge, Auszubildende und duale Studenten gehen die ersten Schritte in Beruf und Karriere derzeit gemeinsam mit uns.“

DIRINGER & SCHEIDEL war auch eines der ersten Unternehmen, das nach der Wende in den Osten Deutschlands expandierte.
„Ich selbst war zum Pferdekauf für die Reitgemeinschaft Neckarau schon vor dem Fall der Mauer in der damaligen DDR zu Gast gewesen. Dass es dort enormen Baubedarf gab, war offensichtlich. Als dann drei Monate später die Grenze Richtung Ungarn aufweichte, war mir klar, dass jetzt unsere Stunde geschlagen hatte. Noch zu DDR-Zeiten haben wir unseren ersten Standort in Dessau bei Leipzig aufgebaut. Ein Bauingenieur, der direkt nach der Grenzöffnung über Ungarn nach West-Deutschland und zu uns ins Unternehmen gekommen war, stellte die ersten Kontakte zu guten Ingenieuren in seiner alten Heimat her. Die Leute wurden ja in der DDR generell gut ausgebildet, aber Material und Gerät waren veraltet. Um uns aneinander zu gewöhnen haben wir viele Mitarbeiter aus Mannheim für den Osten begeistert, gleichzeitig aber auch Mitarbeiter aus dem Osten mindestens ein halbes Jahr auf Westbaustellen eingesetzt, so dass sie unsere Methodik trainieren konnten. Trotz intensiver Verhandlungen mit der Treuhand haben wir im Übrigen dort kein Unternehmen übernommen, sondern alles neu aufgebaut, um mit starken Strukturen auch langfristig erfolgreich sein zu können.
Über die Jahre mussten wir allerdings auch Tiefschläge wegstecken und leider zeitweise Kapazitäten abbauen, weil auf die Zeit der Immobilienförderung und Investorenanreize mit hohen Abschreibemöglichkeiten zunächst einmal der Absturz folgte: Die Idee von Bundesregierung und Treuhand, dass Betriebe aus der Ex-DDR weiterhin in die Länder des ehemaligen Ostblocks verkaufen könnten, hatte sich als Fiktion erwiesen, der gesamte Ostblock war wirtschaftlich gleichzeitig zusammengebrochen.
Viele Mitarbeiter aus dem Osten sind damals in unserem Unternehmen an West-Standorte gewechselt. Heute, wo unsere Niederlassungen in Sachsen und Sachsen-Anhalt auch wieder sehr erfolgreich arbeiten, sind wir froh, dass wir damals diesen Schritt gewagt haben. – Und wir unterhalten dort auch ein Kieswerk und ein Baustoffwerk, was ich mir schon als junger Mann gewünscht hatte.“

Zum 100. Geburtstag, wem gilt Ihr besonderer Dank?
„Auch hier stehen unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an erster Stelle – auf gleicher Stufe mit unseren Kunden, die uns zum Teil seit vielen Jahrzehnten die Treue halten. So freuen wir uns auch schon heute sehr darauf, viele unserer Business-Kunden und Partner bei den Jubiläumsfeierlichkeiten im Juli 2022 zu begrüßen. Die Treue unserer Kunden ist wohl eines der besten Aushängeschilder für uns, unterstreicht sie doch eine kooperative Zusammenarbeit, die geprägt ist von Vertrauen und Zuverlässigkeit in die DIRINGER & SCHEIDEL Unternehmensgruppe. Unser Wort gilt, das wissen unsere Kunden zu schätzen, und das zeigen sie, indem sie uns immer wieder – und wie ich hoffe: gerne – beauftragen. Sie sind für uns nicht nur Auftraggeber, sondern echte Partner.
Mein Vater hat die Diversifizierung unseres Unternehmens begonnen und immer mit einem Tausendfüßler verglichen, auf dessen vielen Beinen ein starker Körper sich solide fortbewegen kann, auch wenn mal ein oder mehrere Beine schwächeln. Dieser Philosophie folgen wir im Management-Board als Familie noch heute. So haben wir neue Regionen und neue Branchen für uns erschlossen – und viele zufriedene Kunden hinzugewonnen.“

Wie geht DIRINGER & SCHEIDEL in die nächsten 100 Jahre?
„Seit meinem 3. Lebensjahr bin ich Teil des Unternehmens. Mein Vater hat mich damals auf die Baustelle des Neckarauer Kirchturms mitgenommen, ist mit mir auf dem Arm im Gerüst bis nach oben geklettert. Das soll zum ersten richtigen Ehekrach meiner Eltern geführt haben. Meine große Schwester Elisabeth war ebenfalls von Kindesbeinen an mit im Geschäft und auch ihre wie meine Kinder wurden früh – wenn auch nicht ganz so früh wie ich – an unser Unternehmen herangeführt, wenn sie denn wollten. So bin ich heute sehr stolz auf die nachfolgende Generation, die das Unternehmen gemeinsam mit mir im Management-Board leitet: Mein Neffe Karlheinz Heffner konzentriert sich stark auf die technischen Themen, mein Schwiegersohn Achim Ihrig entwickelt und kümmert sich um unsere Dienstleistungsunternehmen und mein Schwiegersohn Tobias Volckmann ist der Herr über die Finanzen. Auch meine Töchter sind im Geschäft – und die Enkelgeneration studiert, aus meiner Sicht, die richtigen Fächer! Schon vor 20 Jahren habe ich begonnen die Verantwortung sukzessive zu übertragen. So haben wir gemeinsam ein Fundament gelegt, auf das sich auch in den nächsten 100 Jahren bauen und aufstocken lässt.“

Hier geht es zur Pressemitteilung vom 21.06.2021.